Zurück zu Alben Details
Shapes
Shapes

Produktinformationen

Besetzung

Wolfgang Haffner – drums, keyboards, programming
Nils Landgren – trombone
Sebastian Studnitzky – trumpet, piano, keyboards
Frank Kuruc – acoustic & electric guitar
Lars Danielsson – acoustic & electric bass, cello


Aufnahmedetails

Recorded by Lars Nilsson at Nilento, Gothenburg,
October 17-19, 2005
Mastered by Peter Heider at Ü-Raum, Nürnberg, Germany
Produced by Nils Landgren & Wolfgang Haffner


Meister der Gelassenheit

Feine, bewegte Formen aus Klang: Wolfgang Haffners Album "Shapes" mit Nils Landgren als Posaunist und Co-Produzent

Seit langem ist er auf verschiedensten ACT-Alben zu hören – ob bei Nils Landgren, Rigmor Gustafsson, Viktoria Tolstoy oder den German Jazz Masters um Klaus Doldinger und Albert Mangelsdorff. Doch nun präsentiert Wolfgang Haffner, seit den achtziger Jahren einer der begehrtesten und profiliertesten Musiker der deutschen Jazz-Szene, erstmals auf diesem Label eine CD unter eigenem Namen. "Shapes" heißt sie, Formen. Ein Titel, der in besonderer Weise auf die Musik passt: Feine, bewegte Formen aus Klang sind die Stücke, die Wolfgang Haffner in einer ungemein nuancenreich agierenden Quintett-Besetzung für diese CD eingespielt hat: mit Posaunist Nils Landgren, Trompeter und Pianist Sebastian Studnitzky, Gitarrist Frank Kuruc und Bassist und Cellist Lars Danielsson. Nils Landgren, für den der Schlagzeuger seit Jahren ein ständiger musikalischer Partner in dessen Bands ist, hat die CD mit Haffner zusammen produziert. "Wir wollten ein vielschichtiges Album machen, das nicht den Schlagzeuger hervorkehrt", sagt Wolfgang Haffner. Und genau das ist ihm, Landgren und den Mitmusikern auf bewundernswert organische und aufregende Art gelungen.

"Ein Album, in dem viel Luft, viel Raum ist": ein weiterer Satz von Wolfgang Haffner über das, was er in "Shapes" mit der Musik vorhatte. Viel Luft, viel Raum – das ist jedoch alles andere als Leere. Statt dessen hat es mit einem äußerst gelassenen musikalischen Selbstverständnis Haffners zu tun – besser gesagt: mit der besonderen Souveränität des Musikers, der einst als 18-Jähriger in die Band von Albert Mangelsdorff geholt wurde und als ganz junger, ungemein präziser Schlagzeuger etliche Stars von Johnny Griffin über Clark Terry und Harry "Sweets" Edison bis Joe Pass begleitete. Fast unendlich ist inzwischen die Liste an berühmten Musikern, mit denen er spielte – von Michael und Randy Brecker bis Pat Metheny, Till Brönner, Hildegard Knef oder Konstantin Wecker, Manfred Krug und der Girl-Group No Angels. Nur ein besonderer Könner bewegt sich in so vielen Genres sicher. Viele Tourneen führten ihn rund um die Welt. Er gehört zu den Aushängeschildern des deutschen Jazz. Aber all das bedeutet auch – was man in den vorliegenden Aufnahmen deutlich merkt -, dass Wolfgang Haffner niemandem mehr beweisen muss, wie gut er ist. Er ist es einfach nur. Somit ist gerade die Musik, die er heute macht, nicht vorrangig die Musik eines großen Schlagzeugers, sondern schlicht die eines großen Musikers. Und so, wie er selbst keinen Anlass sieht, sich solistisch in den Vordergrund zu spielen, verzichten auch seine musikalischen Partner in "Shapes" auf jegliches vordergründige Muskelspiel. Es bleibt Raum und Luft für entspannte Entwicklungen, denen - fast klingt es paradox - sehr viel Spannung innewohnt.

Alle Kompositionen stammen von Wolfgang Haffner selbst. Und sie zeigen außer der angenehmen Neigung zu Luft und Raum auch Haffners Vorliebe für eingängige, griffige Melodien. Lyrisch und sofort zugänglich sind die Themen der Stücke oft, manchmal hakt sich auch eine Basslinie schnell im Gedächtnis und in der Motorik des Zuhörers fest. Haffner sagt, er habe die konkrete Besetzung seines Quintetts immer fest im Blick gehabt, als er sich zum Komponieren ans Klavier setzte. Die Stücke sind musikalische Maßanzüge für die fünf Musiker. Das spürt man an vielen Stellen genau, ob in den lyrischen Solo-Passagen für Lars Danielssons Bass in "Crusin" (und im Gesang seines Cellos in "Blue Bar"), den schwerelosen Linien für Sebastian Studnitzkys gestopfte Trompete im Titelstück "Shapes", den kürzelhaften Gitarren-Motiven Frank Kurucs in "Tomorrow Never Knows" (das nichts mit dem gleichnamigen Beatles-Stück zu tun hat) - oder dem Material, das sich Nils Landgrens Posaunenspiel im raffiniert ohrwurmhaften Schluss-Stück "Silent Way" bietet. Im letztgenannten Stück herrschen Langsamkeit und lyrische Schönheit in Vollendung; aber zu schön, um noch wahrhaftig zu sein, ist das nicht. Eher entwaffnend in seiner bekenntnishaften Unverstelltheit. In Haffners Stücke auf "Shapes" konnten sich die Spieler offenbar bestens hineinfallen lassen – und genau so dürfte es den Hörern ergehen.

Eine auch stark von Elektronik geprägte Aura hat das Album, in dem Keyboards und Programming einen wichtigen Part einnehmen. Doch bei all dem hat diese Musik eine enorme Frische und Unmittelbarkeit. Haffner: "Gut die Hälfte der Stücke haben wir im Studio nur ein einziges Mal eingespielt. Zwei Nummern waren sogar komplett gejammt. Und insgesamt ist alles so geblieben, wie wir es gespielt haben." Es gibt darin einige vorproduzierte Elemente – "hier eine Synth-Line, dort eine Atmo" -, und viel Zeit hat sich Haffner für die endgültige Abmischung genommen. "Aber auch da ging es nur um Dinge wie wandernde Sounds oder ein Delay ab und zu." Feinschliff im Design: Doch was noch mehr zählt, ist die Stimmigkeit der Substanz. Man merkt an der Unmittelbarkeit, wie gut die Chemie zwischen den Musikern war, und an der organischen Geschlossenheit des ganzen Albums, wie sehr Wolfgang Haffner als Komponist und Bandleader hier mit seinem eigenen musikalischen Charakter eins wurde. Ganz gewiss ist es bei ihm keine Floskel, wenn er sagt: "Das ist ein sehr persönliches, ehrliches Album." Sei konsequent du selbst und spiel radikal, was dir gefällt: Genau das tun Wolfgang Haffner und seine Partner hier – und die Gelassenheit und Schönheit haben etwas auf Anhieb Überzeugendes.