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Verneri Pohjola
Ancient History

Verneri Pohjola - ©ACT / Jörg Grosse-Geldermann
Verneri Pohjola - ©ACT / Jörg Grosse-Geldermann
Verneri Pohjola - ©ACT / Jörg Grosse-Geldermann
Verneri Pohjola - ©ACT / Jörg Grosse-Geldermann

Produktinformationen

Besetzung

Verneri Pohjola / trumpet
Aki Rissanen / piano
Joonas Riippa / drums
Antti Lötjönen / bass

Jukka Perko / alto saxophone on 6
Tatu Rönkkö / percussion on 4,5 & 8


Aufnahmedetails

Recorded by Mikko Raita at E-Studio, Helsinki, September 28 - 30, 2011.
Mixed by Mikko Raita at Studio Kekkonen, Helsinki, October 11 - 13, 2011.
Mastered by Svante Forsbäck at Chartmakers, Helsinki, October 18, 2011.

Produced by Verneri Pohjola
Executive Producer: Siggi Loch

Cover art © Gerwald Rockenschaub, by courtesy of Galerie Mehdi Chouakri, Berlin


Es ist ein Jahr her, da erhellte eine Morgenröte aus dem hohen Norden die Jazzwelt in Europa und sogar auch in Amerika: Denn „Aurora“ hieß das Debütalbum des jungen finnischen Trompeters Verneri Pohjola, mit dem er sich außerhalb seiner Heimat gleich in die Riege der großen internationalen Jazzhoffnungen katapultierte. Nicht nur der deutsche Stern lobte das „epische Album“ in den höchsten Tönen, auch das amerikanische Portal Allaboutjazz befand: „Verneri Pohjola hat das Zeug zum internationalen Jazzstar.“ Das vielleicht wertvollste Lob kam aus dem Mund von Trombone Shorty, dem derzeit wohl angesagtesten jungen Posaunisten, als er Pohjola zum ersten Mal hörte: „Ich weiß nicht, wer das ist, aber er hat einen wundervollen Ton. Er spielt in großen Bögen, er weiß, dass Raum kostbar ist, und lässt die Musik sprechen. Wirklich toll!“ Was die Messlatte für das nächste Album fast unangenehm hoch legte: „Es war schwer für mich, wieder ins Studio zurückzukehren“, gibt Pohjola zu. „Auch wenn man versucht, nicht über die Kritiken nachzudenken, beeinflussen sie einen. Natürlich ergibt es eine Art von Druck, wenn man weiß, dass die Leute alles Neue mit Aurora vergleichen werden. Aber das motiviert auch.“

Um sich über den aktuellen Stand klar zu werden und die Zukunft für sich zu gewinnen, lohnt sich oft der Blick zurück zu den Anfängen. Das beweist „Ancient History“: Der Albumtitel ergab sich aus einem ursprünglich „Ancient History of 1991“ genannten Stück: „Ich habe 1992 mit dem Trompetespielen angefangen. Das Stück erinnerte mich an die Zeit davor, so kam ich auf den Titel. Dann dachten Siggi Loch und ich, dass das auch ein passender Name für das ganze Album wäre.“ In der Tat, etwas Schwelgerisches, Episches zieht sich durch die acht Stücke, nicht nur durch die Balladen, auch noch durch atemlose, chromatische oder sehr moderne Stücke und Passagen. Im Zentrum von „Ancient History“ steht Pohjolas markanter Trompetenton. Der ist zunächst meist verhalten, paart die Coolness eines Miles Davis mit einem fahlen, heiseren, mitunter sehr metallischen Dialekt, beherrscht aber auch alle möglichen Artikulationswechsel und kann sich auch mal kraftvoll zu hymnischen Höhen aufschwingen.

Was überraschend und spontan klingt, ist wohl durchdacht, nicht nur die einzelnen, oft recht lange ausgearbeiteten Stücke, auch die Komposition des ganzen Albums. Auf „White View“, dem fünften von acht, also dem zentralen Stück, pausiert Pohjolas Trompete acht von neun Minuten zugunsten von Rissanens chromatischem, reizvoll reduzierten Piano. So wie Pohjola ohnehin keiner von diesen immer lauten, immer strahlenden, immer forcierenden Trompetern ist, so liebt er es auch, seinen Begleitern Raum und dem Zuhörer eine Chance zu geben, durchzuatmen, den Kopf wieder frei zu bekommen und sich neu einzustimmen.

Der größte Unterschied zu „Aurora“ ist freilich die Instrumentierung. Nach dem Debüt mit 15 Musikern kommt „Ancient History“ mit einer intimen Quartettbesetzung aus: Aki Rissanen am Piano, Joonas Riippa am Schlagzeug und Antti Lötjönen am Bass, dazu gesellen sich als Gäste bei einem Stück Altsaxophonist Jukka Perko, bei dreien Perkussionist Tatu Rönkkö. Alle sind sie langjährige Weggefährten Pohjolas: „Ich wollte eine Band haben, die ich wirklich gut kenne und so live wie möglich klingen. Und mit den Jungs auf dem Album spiele ich seit über zehn Jahren zusammen. Wir kennen uns in- und auswendig.“

Weniger voluminös, aber umso leichtfüßiger wirkt „Ancient History“. Wieder kombiniert Pohjola allerlei Stile, Stimmungen und Sounds – vom hymnisch trägen „Deism“ über das ganz lockere, nordisch-modernistische „But This One Goes In Four“ oder Björks „Hyper Ballad“ - dem einzigen Titel, den Pohjola nicht selbst komponierte - bis zum wilden „Cheap Taxi Adventure“, dem eine billige, aber aufregende Taxifahrt in Shanghai zugrunde liegt, „mit einem ungeduldigen, aggressiven, am Ende gar richtig durchgeknallten Taxifahrer“ wie Pohjola erzählt. Der wilde Ritt klingt mitunter nach zwei Trompeten, so genau hängt sich Jukka Perko mit dem Saxophon an Pohjola. Meist spielen beide da unisono, das umso atemberaubender wirkt, weil winzige harmonische Alterierungen an den Chorus-Enden für Reibung sorgen. Frischer Wind en masse, der diese „Ancient History“ alles andere als alt aussehen lässt und zum Klassiker werden lassen könnte.